Beruf und Familie unter einen Hut bringen, da braucht es einen Ausgleich. Gott sei Dank gibt es wieder Konzerte, das Fitnessstudio hat geöffnet und auch die Kinder haben wieder alle ihre Programme. Da braucht es Spaß. Als Teil des letzten harten Kerns der Party; da wird’s erst richtig lustig. Das Handy bei dir, 24/7 online, in den Pausen gleich alles gecheckt, immer erreichbar. Ist ja nicht so, braucht ja nicht immer jemand was von dir, und wenn, kannst du gleich knackig Auskunft geben, Probleme lösen, Dinge regeln. Alles erledigt.  Im Urlaub alles sehen, alles mitmachen, die Zeit willst du nutzen, nichts verpassen. Wenn man da so drin ist, geht es leicht, immer schön auf Ballhöhe zu bleiben und wenn nötig halten dich ein paar Pillen, Rauchen oder Alkohol auf Spur. Seien wir bitte nicht kleinlich. Du schaffst das. Alles eine Frage der Organisation. Kein Problem. Was, Burnout? Na, bitte, das ist was für Looser.

Erfolg ist … alles zu schaffen? … alles zu machen? … alles zu erreichen?

Was ist „alles“? Muss das wirklich so sein? Dass alles zugleich abläuft? Dürfen keine Lücken in einem dich umgebenden Bereich sichtbar werden? Wessen Leben ist das? Deines? Oder spielst du eher eine Marionette von vielen in einem großen, globalen Kasperltheater?

Aus der Spur. Probieren wir einmal anderen Ansatz als Antithese, als Ansatz zum Nachdenken und als persönliche Entscheidungshilfe in Sachen persönlicher Lebensplan.

Das konträre Konzept nennt sich Step by step, Schritt für Schritt, so wie du natürlicherweise im Leben voranschreitest. Bezeichne es gerne auch als one by one, eines nach dem anderen. Oder einfach als Singletasking.

Eines nach dem anderen? Den Sager kennst du schon! Das kann doch wohl bloß was für Faulpelze und Taugenichtse sein. Obizahrer auf gut Österreichisch. Solche, die auf die Bremse steigen und Slow Motion propagieren, haben wir schon gerne! Und die anderen sollen dann die Arbeit machen, oder was?

STOP, nein! Singletasking (das Rechtschreibprogramm meines Computers unterstreicht es noch rot, während Multitasking als anerkanntes, rechtschreibkonformes Wort gilt!) ist es wert, im Detail betrachtet zu werden.

Was kannst du dir unter Singletasking vorstellen?

In einem ist unsere Welt gerecht: Wir alle haben 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 12 Monate im Jahr zur Verfügung. Nicht mehr und nicht weniger. Singletasking findet also in einer gleichen Zeitspanne statt wie Multitasking, soviel steht einmal fest.

“Ja, aber alle, die vieles zugleich machen, werden viel mehr schaffen und viel weiterkommen als diejenigen, die nur eines nach dem anderen machen!”
Vielleicht aber auch nicht? Dazu ist es hilfreich, erst einmal zu bewerten, was es heißt, Dinge erfolgreich zu meistern und ob in der ehrlichen Betrachtung tatsächlich immer nur die eigene Leistung dahintergestanden ist. Grundsätzlich würde sich eine persönliche oder eine gesellschaftliche Erfolgsbetrachtung eignen. Und woran dieser Erfolg gemessen wird. Am eigenen Wohlbefinden, persönlicher Zufriedenheit,  oder an der Menge äußerlich erkennbarer Titeln, Trophäen, Reichtümern, Followern, ….

Erfolg ist … gleichzeitig auf allen Spuren wirken. Stimmt das?

Starten wir mit ein paar einfachen Beispielen, um uns dem Konzept des Singletaskings anzunähern. Wie sieht es in all den Bereichen aus, die nur als zahnradartig ineinandergreifendes Team von Spezialisten funktionieren?

  • Jeder Fußballer hat in seiner Mannschaft eine klar zugewiesene Position, in der er seine ihm verantwortete Aufgabe am Feld wahrnimmt. Kein Tormann, der, statt den Ball auszuschießen, mit dem Ball zum gegnerischen Tor stürmt und nach einem sehenswerten 100 Meter Solo mit einem Schuss ins Kreuzeck abschließt.
  • Kein Chirurg, der das Skalpell ansetzt, parallel die Narkose überwacht und sich selbst die Instrumente zusammenstellt und reicht, damit er am offenen Herzen operieren kann, während er sich selbst den Brustkorb mit Klammern offenhält, spült und saugt.
  • Kein Pilot, der im Blick hat, dass alle Gepäckstücke in seinem Flieger sicher verstaut sind, den Flieger tankt, die Fluggäste während des Fluges mit Speisen und Getränken versorgt und dabei startet, fliegt und landet.

Jeder würde sich auf den Kopf greifen, bei solchen Aktionen! Fehler, schwere, tödliche Fehler (mit Ausnahme des Tormanns) wären vorprogrammiert!

Erfolg ist … alles auf einmal machen, überall gleichzeitig zu schrauben. Stimmt das?

Denk an einen Uhrmacher, der Schräubchen, Zeiger, Federn, Zahnräder behutsam nach einem genauen Bauplan und einer klaren Reihenfolge in Ruhe in das kleine Uhrgehäuse einsetzt. Schrittweises Vorgehen erhöht die Chance auf zufriedenstellenden Erfolg.

  • Gilt für viele Bauprojekte, vom Aufbau eines IKEA-Kastens bis zum Operieren eines gebrochenen Knochens.
  • Gilt für die Bilanzerstellung, vom Sortieren der Belege über das Vorkontieren, zum Buchen und all den weiteren nötigen Einzelschritten bis zur fertigen Bilanz.
  • Gilt für erfolgreiche Gespräche, gilt für gute Texte, gilt für alles, das Erfolg bringen soll: Vorbereitung, Durchführung, Abschluss mit Ausblick. Schritt für Schritt.

Bei vielen Berufsgruppen, Künstlern oder Sportlern erscheint es uns klar und verständlich, dass Höchstleistungen nur aufgrund von Aufgabenteilung, klarem Ablauf, minimaler Ablenkung, stetigem Voranschreiten und dem langfristigen Einhalten einer Reihenfolge eines Plans möglich sind.

Im eigenen persönlichen Umfeld scheint das aber nicht immer möglich oder erstrebenswert. Was passiert, wenn etwas dazwischenfunkt? Du abgelenkt wirst? Deinen Fokus verlierst? Mehrere Tätigkeiten gleichzeitig vollführen möchtest? Ständig hin und herspringst zwischen unterschiedlichen Aufgaben oder wenn du zu einem zu schnellen Vorgehen gezwungen wird?

Es kommt zu Fehlern, deren Behebung Energie und Zeit bedürfen, mehrmaliger Neubeginn ist die Konsequenz, es geht nichts wirklich weiter, kein Ende in Sicht. Du schaffst es nicht, gerade Gelerntes in deinem Gehirn zu verankern und wirst dessen bald wieder verlustig.  Frust entsteht, du wirst zunehmend hektisch, Nervosität schleicht sich ein, Wut facht auf, Schuldzuweisungen greifen Raum, erst gegen andere, dann gegen sich, Selbstzweifel melden sich. Warum ist das so?

Weil dein Gehirn, so wie unser aller Hirn, eben kein grenzenloser Supercomputer ist, sondern nach wie vor ein evolutionär entstandenes archaisches System, mit einem begrenzten Arbeitsspeicher. Weil dein Personal Computer, dein Gehirn, genauso wie dein PC oder Laptop, es nicht schätzt, wenn viele Tasks in der Leiste offen sind. Bis er abstürzt. Deshalb ist es essenziell, dass du mit deinen Ressourcen haushaltest und dich nach der persönlichen Decke streckst, egal wie schnell die digitale Revolution um dich herum abläuft.

Warum Multitasking ein Trugschluss ist

Multitasking bezieht sich oft nur auf bestimmte Zeitkontingente des Tages. Die restliche Zeit läuft dann oft planlos und nicht nachvollziehbar ab. Ausgepowert starrst du stundenlang geistesabwesend social-media-abhängig auf dein Smartphone. Glaubst du nicht? Gibt es auch Apps dafür, die dein Verhalten messen. Schau mal nach, wie viel Zeit es tatsächlich ist. Es könnte sein, dass du dich wunderst. Oder streamst auf Netflix durch ganze Serienbündel? Raubt dir die heutige Form des Multitaskings teilweise so den Verstand, dass du in der restlichen Zeit in den Seilen hängend gerade noch die Chipsschale auf dem Bauch balancierst und voll Brösel irgendwann des Nächtens oder des Morgens durch den noch immer laufenden Fernseher aufgeweckt wirst?

Multitasking macht auch nur eines nach dem anderen. Nur in wesentlich kürzeren Minieinheiten. Innerhalb einer halben Stunde eine wichtige Arbeit abschließen, das Handy checken, deiner Freundin auf Whatsapp antworten, der Lehrerin deines Sohnes dein Kommen zusagen, organisieren, wie du diese Zeit wieder einholst und unterbringst. Ach, du könntest bei der Gelegenheit ja gleich den Salat fürs Mittagessen mitnehmen. Dann hast du dir wenigsten einen Weg erspart. Was hast du in dieser halben Stunde tatsächlich konzentriert und fehlerfrei geMACHT? Ups, da meldet es sich schon: dein schlechtes Gewissen wegen der Arbeit, die du so gerne in Ruhe fertig machen würdest. Na, vielleicht geht sich das am Abend aus? Wenn du die Arbeit mit nach Hause nimmst?

Was wäre, wenn …

Was wäre, wenn du diesem Irrsinn mal einen Punkt setzt und dir eine Nachdenkpause gönnst?

Was wäre, wenn du dir in den einzelnen Phasen deines Lebens in aller Ruhe überlegst, was dir für diese Lebenszeit wirklich wichtig ist und du für dich erfüllt haben möchtest (deine Bedürfnisse und Werte)?

Was, wenn du danach für dich machbare Ziele und Pläne selbst bestimmen würdest?

Was, wenn du dir dazu ganz klare Prioritäten setzt, du langsam und stetig voranschreitest? Du bestimmst, was Zeitraum in deinem Leben jetzt bekommt. Wem oder was du wieviel Zeit schenkst. Zeit von deiner begrenzten Lebenszeit.

Was, wenn du dich mit deinen Mitmenschen absprichst und Aufgaben teilen würdest? Wie der Fußballer, wie der Chirurg, wie der Pilot. Wie du eben! Und die anderen auf ihre eigene Art einfach machen ließest?

Was, wenn du dich auf deine Aufgaben konzentrieren könntest ohne ständige Ablenkung und ohne störenden Zusatzinformationen?

Was, wenn du je nach Alter deine Vorsätze und Ziele an deine jeweils dazu wirklich wichtigen Bedürfnisse anpassen würdest?

Oh! Singletasking kann Mut brauchen? Mut, dich abzugrenzen? Mut, Nein zu sagen? Mut, deine Ziele wirklich höchsterfolgreich erreichen zu wollen?

So leicht ist das alles nicht? Auch hier geht es wieder nicht um alles oder nichts! Nicht um alles sofort! Sondern, du ahnst es schon: um Schritt für Schritt.

Es geht um eine Gesamtsicht für uns und unsere uns umgebende Gesellschaft. Willst du deine Ziele erreichen, geht es nicht um plakative, gutklingende Slogans wie eben Multitasking, sondern nach wie vor um das Einhalten von soliden, stetigen, konzentrierten Abläufen. Automatisierst du ohne Ablenkung Übungsabläufe, machst du nach und nach deinen Arbeitsspeicher frei. Dein Können wandert ins Unterbewusste, wird zur unbewussten Kompetenz. So schaffst du Platz, um darauf neue Fähigkeiten aufzubauen und zu entwickeln. Dir und deinem Gehirn einfach die Zeit und die Aufgaben zuzugestehen, die langfristig für dich bewältigbar sind. Das führt dich zu wahrem Wohlbefinden.

Lass dich also nicht immer von außen drängen und steuern, sondern gehe motiviert den steten Weg des Singletaskings bis zum Erreichen deiner gestreckten Ziele. Du wirst beim Rückblick in jedem Fall erstaunt sein, welche Wegstrecken sich damit zurücklegen lassen.

Wie ist das bei dir? Wie viele Tasks hast du in deiner imaginären Taskleiste geöffnet?
Welche willst du gleich schließen und nur dann öffnen, wenn ihre Bearbeitung dran ist?
Welche Erfahrungen hast du mit Singletasking gemacht?

IRMGARD und STEFAN WALLNER
Wenn wir auf die vergangenen knapp 2 Jahre zurückschauen, sind wir erstaunt, verblüfft, und freuen uns einen Haxn aus, weil wir so unglaublich viel geschafft haben. Abgesehen von unserer klaren Planung mit Bestimmung unserer wichtigsten Bedürfnisse, definieren unserer Absichten und  klarer Schritte haben wir uns – wenn sich unsere Ungeduld meldete – immer wieder wechselseitig erinnert: Eines nach dem anderen.
Für uns: großer Teil eines klaren Erfolgrezeptes.