“Mit mir hat das nichts zu tun! Ich bin doch nicht gewaltvoll oder gewalttätig!”, äußern manche fast schon empört, wenn sie den Titel Gewaltfreie Kommunikation hören. Womöglich waren es Widerstände solcher Art, dass auch Marshall Rosenberg, der dieses Modell entwickelte, nicht ganz glücklich mit dem Namen war. Was ist also diese “Gewaltfreie Kommunikation” und wie könntest du noch dazu sagen?

 

Doch geh doch mit mir zunächst folgender Frage nach:

 

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Herzstück sind die Bedürfnisse und Werte! Deine und die der anderen!

 

Weil du wie jeder Mensch auf der Welt – unabhängig von Kultur, Erziehung, Religion, politischer Meinung, … – dieselben Bedürfnisse hast.
Sie sind das Verbindende unter allen Menschen.

Alle Menschen auf der Welt haben dieselben Gefühle und Bedürfnisse – sie sind universell. Daher sind Bedürfnisse das verbindende Element.

 

Bedürfnisse zeigen dir und allen Menschen auf der Welt an, was sie brauchen, um gut leben zu können. Unsere Gefühle zeigen uns den jeweiligen Grad der Erfüllung der Bedürfnisse an. So zeigt dir Unsicherheit oder Angst an, dass du SICHERHEIT brauchst. Erleichterung spürst du in dem Moment, in dem sich SICHERHEIT erfüllt hat. Frust und Resignation sind deine körperlichen Hinweise auf dein Bedürfnis nach SINN. Ist dieses erfüllt, bist du voll Tatendrang.

 

Gefühle sind die Sprache deines Körpers.
Hörst du auf sie, weisen sie dich ganz genau darauf hin, was du brauchst.
Oder genießen es mit dir, dass alles im Grünen ist.

Je erfüllter deine Bedürfnisse sind, umso wohler, sicherer, glücklicher und zufriedener fühlst du dich.

So sind Bedürfnisse also deine Motivatoren, sie treiben dich innerlich an – bewusst oder unbewusst – das, was dir wichtig ist, zu erfüllen. Damit du dich wohl fühlst!

 

“Jedes Verhalten ist ein Versuch, sich Bedürfnisse zu erfüllen”, erklärte M. Rosenberg. “Gewaltvolles Verhalten ist tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.”

 

 

Gewaltvoll sorgt für die eigenen Bedürfnisse, wer Angst hat, sie nicht anders erfüllt zu bekommen. Wobei mit Gewalt nicht nur körperliche Gewalt, sondern genauso verbale und nonverbale Gewalt gemeint ist: abwerten, verletzen, vergleichen, unterdrücken, fordern, angreifen, Verantwortung abschieben und leugnen, …

Du kennst sie bestimmt auch?

Diese verletzenden Worte, die tief ins Innerste treffen!

Die Sprache spielt dabei eine tragende Rolle!

Sprach-Fallen und wie sie vermieden werden können

Was mir so gut an M. Rosenbergs Modell gefällt ist, dass es genau aufzeigt, wo diese Fallen in der Sprache liegen und wie sie vermieden werden können.

Fallen wie

  • die Vermischung von VerANTWORTung
  • die Vermischung von dem, was du beobachtest und wie du es bewertest. Garniert mit Füllwörtern wie “immer”, “jedes Mal”, “nie” eine explosive Mischung!
  • Urteile, Interpretationen und Vorwürfe, die sich in Form von sogenannten Pseudo-Gefühlen als wahre Gefühle ausgeben und für mächtig Ärger sorgen!
  • die Unklarheit, was Bedürfnisse wirklich sind und dich so an falschen oder vergeblichen Stellen nach Erfüllung suchen lassen.
  • die Starrheit von fixen Vorstellungen und Ideen und wie du hier flexibel und frei werden kannst.
  • das Äußern frommer Wünsche und dem begleitenden Frust, wenn du wieder nicht bekommst, was du brauchst.
  • die Verwechslung von echten Bitten, die von Herzen kommen und solchen, die getarnte Forderungen sind.

 

Übernimm volle VerANTWORTung für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und du erlebst Selbstermächtigung, Selbstwirksamkeit und Flexibilität in einem nie geahnten Ausmaß!

 

Statt dem nachzugehen,

  • wer wie ist
  • wer besser, schlechter, fleißiger, erfolgreicher, … ist
  • wer Schuld ist und wer unschuldig,
  • was man gegen das Problem tun kann,
  • wie man Dinge bekämpfen kann, die nicht in Ordnung sind,

geht es nun im Kern darum, dass du

  1. verstehst, was du selbst wirklich brauchst
  2. erkennst, was du gewaltfrei – also positiv – tun kannst, damit du bekommst, was du brauchst.
  3. voll Vertrauen dabei auch noch die Bedürfnisse anderer berücksichtigst.

 

Die Absicht ist es, in Kontakt und Verbindung zu kommen mit dem, was WESENtlich ist.

Drum sind die Kernfragen: Was brauchst du? Was brauche ich?

Sind wir – wieder – auf einer Wellenlänge, fällt es leicht, gemeinsam auf Lösungssuche der Frage nachzugehen: Was können wir tun, damit wir bekommen, was wir brauchen?

 

Alternative Überschriften

Wie kannst du dieses WERT-VOLLE Modell, bei dem es in erster Linie um die wohlwollende Haltung allen Menschen gegenüber geht, noch nennen?
Viele Titel sind dazu zu finden:

 

Gesundheitsfördernde Kommunikation

Nahrung, Ruhe, Bewegung, Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt, Sinn, …

Je erfüllter unsere Bedürfnisse sind, umso gesünder sind wir!

Vor zehn Jahren hatte ich es auch so auf meiner Homepage stehen: Gesundheitsfördernde Kommunikation.

 

Weil sie deine Gesundheit fördert, wenn du

  • deine Bedürfnisse wahrnimmst und achtest.
  • dich nicht in ärgertreibenden Gedankenkreiseln aufreibst, sondern durch das bewusste Wahr- und Ernst nehmen deiner wirklichen Bedürfnisse in kraftvolles konstruktives Denken kommst.
  • mitfühlend und positiv in anstrengenden Zeiten für dich selbst sorgst.
  • dir und deinen Werten treu bist und bleibst.
  • das Leben in vollen Zügen genießt, wenn gerade alles gut gefüllt ist!

 

Weil sie die Gesundheit in Beziehungen fördert, wenn

  • kränkelnde Stellen, Verletzungen geheilt und nicht neu aufgerissen werden.
  • der Fokus auf den Bedürfnissen aller liegt und gemeinsam bewusst Gegenwart und Zukunft gestaltet werden.

 

Weil es deine Gesundheit erhält oder wiederherstellt, wenn du krankmachende, zerstörerische Beziehungen auflöst und frei lässt. Wirklich frei!

 

 

Wertschätzende Kommunikation

Häufig sehnen sich Mitarbeitende und Führungskräfte nach Wertschätzung und Respekt. Hat ein Kampf darum begonnen, treiben Emotionen Blüten, mit der Energie schwindet das Miteinander. Das Vertrauen. Das gemeinsame Weiterentwickeln in eine positive gewünschte Richtung.

Beate Brüggemeier nennt es daher in ihrem Buch, das ich sehr empfehle: Wertschätzende Kommunikation im Business: Wer sich öffnet, kommt weiter. Wie Sie die GFK im Berufsalltag nutzen

Auch mein 2. Buchtipp für ein gelungenes Miteinander im Berufsalltag zeigt im Titel, worum es geht: Erfolgsfaktor Menschlichkeit: Wertschätzend führen – wirksam kommunizieren. Ein Praxishandbuch  von Gabriele Lindemann und Vera Heim.

Alle drei Autorinnen bringen auf ihre Art und Weise auf den Punkt, worum es in der Zusammenarbeit, im erfolgreichen Miteinander geht: Menschlichkeit, Wertschätzung und Wirksamkeit!

 

Natürliche Kommunikation

Verbunden und frei – die Sehnsucht danach liegt in unserer Natur!

Natürlicherweise sind wir gut verbunden, auf einer Wellenlänge.

Damit es so bleibt, kannst du vorab einiges berücksichtigen, das natürlich ist:

Natürlich ist es, wenn ich zuerst den Kontakt und die Verbindung herstelle und erst dann etwas übermittle.

Dazu bringe ich gerne das Bespiel mit dem Telefon:

Stell dir vor, du warst einkaufen und merkst zu Hause, dass du die Butter vergessen hast. Dein Partner ist noch unterwegs. Was tust du also?

Vielleicht rufst du ihn an und bittest ihn, die Butter mitzubringen.

Wie gehst du vor?

Stelle ich diese Frage im Seminar, erhalte ich verblüffte Blicke. Was soll die Frage?

Ich finde es äußerst praktisch, wenn wir von Dingen lernen, die wir bereits erfolgreich machen. Das Telefonieren gehört für mich dazu!

  1. Du nimmst also dein Mobiltelefon.
  2. Wischt, bis du den Namen deines Partners gefunden hast.
  3. Drückst auf den Hörer zum Anrufen.
  4. Danach wartest du, bis er oder sie abgehoben hat.
  5. Erst dann und nach einem “Hallo mein Schatz” 😉 wirst du deine Bitte äußern.

Erst die Verbindung, dann die Information!

Bist du mit Menschen in einem Raum oder in einem Haus, kann es sein, dass du nicht natürlicherweise erst die Verbindung herstellst und dann bittest.

Es kann passieren, dass du drauflos redest in der unbewussten Erwartung, dass der/die andere ja eh da ist und dich hören kann.

Leider ist er/sie noch nicht auf “on”.

So geht viel beim ersten Mal verloren. Nach und nach wirst du lauter, genervter, gereizter, bis es dir reicht!

Bevor du also im Sozialraum die Info gibst, dass eine Lieferung wegzuräumen ist oder du zu Hause in Richtung Kinderzimmer deine Wünsche rufst (aufdecken kommen, Zimmer aufräumen, etwas anderes helfen, tun, …) – mach es wie beim Telefonieren: Stell zuerst die Verbindung her.

Sind wir verbunden läuft der Gesprächsfluss ganz natürlich.

Damit du beim 1. Mal richtig gehört und verstanden wirst, kann du auch hier die Natur nutzen!

Natürlich läuft es bei uns Menschen so:

  1. Du nimmst etwas wahr – 2. gibst dem Bedeutung – 3. handelst dann entsprechend.

 

Kommunizierst du natürlich, gehst du genau diesen 3-er Schritt:

  1. Du startest mit dem, was du wahr nimmst und setzet so den anderen ins Bild (in dein Bild).
  2. Du gibst dem Bedeutung. Deine! Machst damit den Sinn verständlich. Bei Bedarf zeigst du dein Gefühl, wenn es dem besseren Verständnis dient.
  3. Du bittest nun darum, was du gerne wie hättest – sodass sich der/die andere das im Kopf vorstellen kann.

Deine Chancen zu bekommen, was du brauchst, sind damit sprunghaft in die Höhe geschnellt!

 

Positive Kommunikation

 

Es ist erstaunlich, was passiert, wenn du das Modell als Leitfaden nimmst.

Alles Negative verwandelt sich

  • in Neutrales, das die Ohren der anderen aufsperrt.
  • und in Positives, dass das Herz aufgehen lässt!

 

Da du im 1. Schritt bei der Beobachtung jegliche Bewertung und Interpretation herausnimmst, landet die Sache ganz neutral auf dem Tisch.

Zeigst du dem/der anderen deine wahren Gefühle und Bedürfnisse. Erzählst du im Positiven, was du brauchst, was dir wirklich wichtig ist – ohne Schuldzuweisung, ohne zu verletzen – machst du es dem/der anderen leichter, dir zuzuhören, mitzufühlen und dich zu verstehen.

Erklärst du positiv, machbar und klar, deine Bitte – ohne Forderung und ohne Druck – fällt es dem/der anderen leicht, sich das vorzustellen. Steht dem kein wichtiger Grund im Weg, steht auch einem JA zu deiner Bitte nichts im Wege.

Es ist eine der schönsten Übungen, Vorwürfe, Angriffe, Schuldzuweisungen und Urteile in eine kraftvolle, positive Sprache zu übersetzen. Gemeinsam Positives erreichen zu wollen, setzt ungeahnte Energien frei!

 

WERTvolle Kommunikation:

Sind deine Werte und Bedürfnisse voll erfüllt, kannst du aus dem Vollen schöpfen und von Herzen geben!

Ist dein Bedürfnis nach WERTSCHÄTZUNG voll erfüllt, fällt dir einerseits ganz viel Schätzenswertes auf und es fällt dir leicht, Wertschätzung auszudrücken, wertschätzend zu handeln.

Ist dein Bedürfnis nach RUHE voll, ruhst du in dir, strahlst Ruhe aus, handelst du ruhig und besonnen.

Ist dein Bedürfnis nach SINN voll, gibst du dich mit vollem Tatendrang und Freude deiner Sache oder Tätigkeit hin.

Ist dein Bedürfnis nach KLARHEIT voll, sprichst du Klar-text. Ganz leicht!

Sind also deine Bedürfnisse gut gefüllt, kannst du alles leicht: wertschätzend Klartext reden, wohlwollend zuhören, vertrauensvoll die Bedürfnisse aller berücksichtigen, sinnvolle Lösungen finden.

 

Wie du das alles in dein Leben bringen kannst?

Indem du LebensWERT lebst!

Indem du deine WERTe und Bedürfnisse wahrnimmst, ernst nimmst und sie nach und nach in dein Leben bringst!

Dein Ergebnis: Unbändige Kraft und sprühende Freude!

 

Was sagst du jetzt zur “Gewaltfreien Kommunikation”?

Welche sind deine alternativen Titelvorschläge?

Was ist es für dich?

Was sagst du dazu?